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Warum die Natur für den langfristigen Erfolg der Beauty-Branche unverzichtbar ist

Lesezeit: 12 mins

Zusammenfassung:

  • Die Beauty-Branche hat in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum verzeichnet. Dieses Wachstum stößt jedoch zunehmend auf ökologische Grenzen, die die Versorgung von Inhaltsstoffen stören und die Volatilität erhöhen.
  • Klimaschocks, Biodiversitätsverlust und Wasserknappheit beeinträchtigen bereits heute die Verfügbarkeit von Rohstoffen. Sie legen die starke Abhängigkeit der Branche von gesunden Ökosystemen offen.
  • Die Regulierung wird strenger: CSRD, TNFD und SBTN machen Transparenz und Handeln im Bereich Natur unumgänglich und zwingen Unternehmen dazu, ihre Auswirkungen und Abhängigkeiten zu verstehen.
  • Die meisten Risiken liegen in der vorgelagerten Lieferkette, da die Beschaffung von einer kleinen Anzahl natürlicher Hotspots abhängt. Diese sind mit Bodendegradation, Wasserstress und abnehmender Bestäubung konfrontiert, was das Risiko von Engpässen und Preisschwankungen erhöht.
  • Der Naturverlust ist heute ein unternehmerisches Risiko und zugleich ein Auslöser für neue Chancen: Regenerative Beschaffung, Investitionen in Landschaften und glaubwürdige Transparenz stärken die Resilienz, senken Kosten und schaffen Vertrauen.
  • Unternehmen handeln bereits, indem sie Transformationspläne entwickeln, die Rückverfolgbarkeit verbessern, die Wiederherstellung von Ökosystemen finanzieren und ihre Beschaffungsmodelle auf regenerative Landwirtschaft umstellen.
  • Die Integration von Natur in zentrale Geschäftsentscheidungen wird zur Voraussetzung. Sie hilft, steigende Volatilität zu bewältigen, Erwartungen von Stakeholdern zu erfüllen und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Die Beauty-Branche ist in den letzten fünf Jahren um fast 60 % gewachsen. Dies geschah trotz wirtschaftlicher Unsicherheit und veränderter globaler Rahmenbedingungen. Die Expansion in neue Märkte, der Aufstieg von Premium-Hautpflege und sinnorientierten Marken sowie zahlreiche Übernahmen haben die Wettbewerbslandschaft neu gestaltet und globale Strukturen komplexer gemacht.

Mit dem Wachstum nehmen jedoch auch die Umweltrisiken zu. Klimaschocks, Biodiversitätsverlust und Wasserknappheit stören bereits heute Lieferketten und erhöhen die Volatilität entlang der Wertschöpfung. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen und Erwartungen der Verbraucher. Transparenz und Verantwortung werden an jeder Produktionsstufe eingefordert.

Die Wissenschaft macht deutlich, dass gesunde Ökosysteme die Grundlage stabiler Lieferketten bilden und Regulierungsbehörden reagieren schnell darauf. Rahmenwerke wie die Science Based Targets for Nature (SBTN) und die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) helfen Unternehmen zu verstehen, wie ihre Aktivitäten und Lieferketten von Ökosystemleistungen abhängen und welche Auswirkungen sie auf Wasser, Land, Biodiversität und Ozeane haben. Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) verlangt neben dem Klimaschutz auch die Offenlegung naturbezogener Daten, während das Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework die Länder verpflichtet, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 aufzuhalten und umzukehren. Gemeinsam senden sie eine klare Botschaft: Die Natur ist ein Kernelement der Widerstandsfähigkeit von Unternehmen und ein wesentlicher Hebel zur Erreichung von Klimazielen.

Für Unternehmen aus der Kosmetik- und Körperpflegebranche ist diese Realität besonders relevant. Ein großer Teil ihrer Rohstoffe hängt direkt von der Natur ab. Dazu zählen Pflanzen, Böden und Bestäubungssysteme. Sie alle stehen unter wachsendem Druck. Mit dem Rückgang der Biodiversität sinkt auch die Zuverlässigkeit der Inhaltsstoffe, und das Risiko von Engpässen und Preisschwankungen nimmt zu.

Die Branche hat bereits begonnen, Maßnahmen zu ergreifen. Unternehmen analysieren ihre Abhängigkeiten und untersuchen, welchen Einfluss Veränderungen in der Landnutzung, der Wasserverfügbarkeit und der Ökosystemgesundheit auf ihre Portfolios haben. Neue Ansätze sollen den Druck auf die Natur verringern und die Anpassungsfähigkeit erhöhen. Der Schwerpunkt verlagert sich dabei von der Bewusstseinsbildung zur Integration. Die Natur wird somit allmählich Teil der Entscheidungsfindung und zur Voraussetzung für langfristige Stabilität.

Naturbezogene Risiken und Chancen sind heute klarer erkennbar

Unternehmen verstehen zunehmend, wie Naturverlust zu Geschäftsrisiken wird und wie der Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen Wert schaffen. Jede Stufe der kosmetischen Wertschöpfungskette hängt von natürlichen Systemen ab, wobei die größten Abhängigkeiten in den vorgelagerten Bereichen bestehen.

Wenn diese Systeme ausfallen, steigen die Produktionskosten und die Versorgungssicherheit sinkt. Diese Abhängigkeiten zu verstehen, ist der erste Schritt zur Bewältigung des Risikos.

Abhängigkeiten von der Natur entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Kosmetikindustrie. Von der Rohstoffbeschaffung bis zur Produktverwendung ist die Branche in hohem Maße auf Ökosystemleistungen wie Wasserversorgung, Bodenbildung und Bestäubung angewiesen – die Natur ist somit ein grundlegender Motor für Stabilität und Innovation.

Die Risiken für Kosmetikunternehmen sind bereits Realität

Naturbedingte Risiken für Kosmetikunternehmen sind nicht mehr nur theoretisch – sie sind konkret und nehmen zu. Für Kosmetikunternehmen lassen sich die naturbedingten Risiken in zwei Hauptkategorien einteilen:

  • Physische Risiken entstehen durch geschädigte Ökosysteme und den Verlust natürlicher Leistungen wie Wasserregulierung, Bodenfruchtbarkeit, natürliche Schädlingskontrolle und Bestäubung. Die Folgen sind geringere Rohstoffqualität, Engpässe und Preisschwankungen.
  • Übergangsrisiken entstehen durch neue Regulierung, Marktveränderungen und steigende Erwartungen der Verbraucher an Transparenz und Verantwortung.

Die eigenen Abhängigkeiten zu verstehen heißt auch zu erkennen, wo sie Anfälligkeiten verursachen.

Vorgelagerte Risiken

Die größten Risiken für die Kosmetikindustrie liegen im vorgelagerten Bereich der Rohstoffversorgung. Diese konzentriert sich auf eine Handvoll natürlicher Hotspots, die bereits durch Wasserknappheit, Bodendegradation, den Verlust von Ökosystemleistungen (z. B. Bestäubung) sowie den Klimawandel belastet sind. Die Abhängigkeit der Branche von natürlichen Inhaltsstoffen macht sie sehr anfällig für Umweltbelastungen. Pflanzen, die für ätherische Öle und pflanzliche Wirkstoffe verwendet werden, sind von Bestäubern und fruchtbaren Böden abhängig – und beide nehmen ab. Eine weitere Belastung stellt die Wasserknappheit dar, da wichtige Produktionsregionen einem zunehmenden Wettbewerb um Süßwasserressourcen ausgesetzt sind.

Diese Anfälligkeit wird durch die Konzentration der Produktion noch verstärkt. Eine Handvoll Länder liefert die meisten der weltweit wichtigsten Rohstoffe – zum Beispiel Rizinussamen, der hauptsächlich in Indien angebaut wird, wo Bodenerosion, Umweltverschmutzung und Wetterschwankungen ein wachsendes Problem darstellen. Eine Störung in einer Region kann sich auf die globalen Lieferketten auswirken und die Unternehmen dazu zwingen, ihre Produkte neu zu formulieren oder drastische Kostensteigerungen hinzunehmen.

Nachgelagerte Risiken

Mit zunehmender Regulierung und öffentlicher Aufmerksamkeit steigen auch die Übergangsrisiken. Die Umsetzung der CSRD sowie Instrumente wie der EcoBeautyScore (EBS) setzen neue Standards für Transparenz. Marken, die keine glaubwürdigen Fortschritte nachweisen können, müssen mit Reputationsschäden und regulatorischen Konsequenzen rechnen.

Die Industrie ist immer stärker von der Gesundheit der Ökosysteme abhängig. Ein frühzeitiges Management dieser Abhängigkeiten ist der einzige Weg, um Risiken in Widerstandsfähigkeit umzuwandeln.

Der EcoBeautyScore (EBS) definiert neu, wie Umweltleistung in der Kosmetikbranche gemessen wird. Er wurde von einem globalen Konsortium entwickelt und ist an den EU-Produktumweltfußabdruck (PEF) angelehnt. Er standardisiert die Bewertung und Kommunikation von Produktwirkungen.

Für Unternehmen, die über glaubwürdige Daten verfügen, ist die EBS eine Chance, die Führung zu übernehmen – eine Möglichkeit, messbare Fortschritte zu demonstrieren und das Vertrauen der Verbraucher zu stärken. Für andere stellt es ein Übergangsrisiko dar: Produktbewertungen, die Unstimmigkeiten zwischen Behauptungen und Leistung aufdecken, können den Ruf schnell untergraben.

Entscheidend ist, dass der EBS mit den Rahmenwerken CSRD und TNFD übereinstimmt, so dass Daten auf Produktebene in die Unternehmensberichterstattung einfließen können. Es ist sowohl ein Spiegel als auch ein Motivator – es erhöht die Transparenz und belohnt diejenigen, die auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse handeln.

Chancen für Kosmetikunternehmen

Naturstrategien in das Kerngeschäft zu integrieren, schützt nicht nur vor Risiken, sondern schafft auch Innovationen und Wettbewerbsvorteile. Der TNFD beschreibt Aktivitäten, die zugleich Chancen darstellen und sowohl für die Natur als auch für die Wirtschaft einen Mehrwert schaffen. Vier Hebel sind besonders relevant:

  • Kosten, Risiko und Versorgungssicherheit: Regenerative Beschaffung und Investitionen in Boden, Wasser und Ökosysteme senken Kosten, reduzieren Volatilität und stabilisieren Qualität und Verfügbarkeit von Inhaltsstoffen.
  • Reputation und Vertrauen: Glaubwürdige naturpositive Beschaffung stärkt das Vertrauen der Konsumenten und reduziert Reputationsrisiken.
  • Klimaanpassung: Maßnahmen in Landwirtschaft und Landnutzung liefern gleichzeitig Klima und Biodiversitätsvorteile und unterstützen Netto Null Strategien.

Was gut für die Natur ist, ist zunehmend auch gut für die Wirtschaft. Unternehmen, die frühzeitig handeln, stellen bereits fest, dass Ökosystemeintegrität die Grundlage für eine stabile Versorgung, das Vertrauen der Investoren und langfristiges Wachstum sind.

Herausforderungen bei der Bewertung von Risiken und Chancen

Naturbezogene Risiken und Chancen sind heute besser verstanden. Ihre Quantifizierung bleibt aber komplex.

  • Daten- und Rückverfolgbarkeitslücken schränken die Transparenz in globalen Lieferketten ein.
  • Lokale Besonderheiten sind wichtig: Der Wasserstress in einem Einzugsgebiet lässt sich nicht mit dem in einem anderen Einzugsgebiet vergleichen.
  • Rahmenwerke wie SBTN und TNFD entwickeln sich weiter und präzisieren Prioritäten und Messansätze.

Risikobewertung sollte den Fortschritt aber nicht aufhalten. Das Ziel ist nicht die perfekte Genauigkeit, sondern eine glaubwürdige Richtung. Unternehmen, die Basiswerte festlegen, wissenschaftlich fundierte Ziele setzen und transparent offenlegen, werden glaubwürdige Übergangspläne erstellen und am besten in der Lage sein, die Erwartungen von Investoren, Regulierungsbehörden und Verbrauchern zu erfüllen.

Wie Unternehmen das in ihrer Lieferkette umsetzen können

1. Definition eines Transformationsplans

Der erste Schritt für Kosmetikunternehmen besteht darin, einen klaren Fahrplan festzulegen, der sich an einer Minderungshierarchie orientiert, beispielsweise an SBTN (Vermeidung, Verringerung, Wiederherstellung, Kompensation) oder dem IFC-Leistungsstandard 6 orientiert. Dadurch wird sichergestellt, dass die Prioritäten so strukturiert sind, dass messbare Ergebnisse erzielt werden.

Diese Übergangspläne werden sowohl Maßnahmen zur Risikominderung als auch zur Anpassung an den Klimawandel umfassen, die die Risiken verringern und die Chancen sowohl für die Natur als auch für das Unternehmen verbessern.

Beispiele:

  • Minderung: Verringerung des Wasserverbrauchs bei der Herstellung, Reduzierung des Chemikalieneinsatzes und Neugestaltung der Verpackungen, um das Austreten von Abfall und Plastik in die Umwelt zu verhindern.
  • Anpassung: Unterstützung von Programmen für eine regenerative Landwirtschaft, die die Gesundheit von Böden und Landschaften wiederherstellt, Bestäuber schützt und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit der Landwirte verbessert – so wird die Qualität der Inhaltsstoffe gesichert und gleichzeitig die Anfälligkeit für Umwelt- und Regulierungsschwankungen verringert.

2. Die Transformation finanzieren

Der Zugang zu Finanzmitteln wird immer einfacher. Nachhaltigkeitsbezogene Darlehen (SLLs) und Anleihen (SLBs) knüpfen jetzt die Kapitalkosten an Fortschritte in den Bereichen Biodiversität, Wasser und Klima. Das Natura-Beispiel, das im TNFD-Diskussionspapier über naturbezogene Möglichkeiten vorgestellt wird, zeigt, wie diese Instrumente Investitionen in die Wiederherstellung von Ökosystemen lenken und gleichzeitig das Vertrauen der Investoren stärken können. Finanzierungen, die messbare Umweltergebnisse belohnen, werden zu einem wichtigen Faktor für den Wandel in der gesamten Beauty Branche.Green Premiums tragen zunehmend dazu bei, nachhaltige Beschaffung angesichts des zunehmenden Wettbewerbs unter regenerativen Produkten wirtschaftlich abzusichern, und ermöglichen es den Lieferanten, anspruchsvollere Vorschriften einzuhalten.

Schwerpunkt: Regenerative Landwirtschaft

Einer der stärksten Hebel in der vorgelagerten Wertschöpfungskette für natürliche Inhaltsstoffe ist die regenerative Landwirtschaft. Durch die Verbesserung der Bodengesundheit, die Förderung der biologischen Vielfalt und die Stärkung der Wasserkreisläufe wirken regenerative Praktiken gleich mehreren risikoreichen Abhängigkeiten entgegen – von der Bestäubung über die Bodenfruchtbarkeit bis hin zur Wasserverfügbarkeit.

Ein weltweit tätiger Kosmetikkonzern hat zum Beispiel kürzlich mit Quantis zusammengearbeitet, um aus mehreren Umweltbewertungen einen Fahrplan für die regenerative Beschaffung zu erstellen. Das Projekt brachte Teams aus den Bereichen Beschaffung, F&E und Nachhaltigkeit zusammen, um vorrangige Rohstoffe – wie Rizinus, Guar, Palm, Raps und Zuckerrohr – zu identifizieren und die Maßnahmen regional abzustimmen. Das Ergebnis war ein koordinierter Plan, der die Diversifizierung des Angebots, die Schulung von Landwirten und Innovationen bei der Substitution von Rohstoffen miteinander verbindet und eine Grundlage für messbare, naturfreundliche Fortschritte schafft.

Investitionen in regenerative Systeme mindern nicht nur das Risiko, sondern sorgen auch für eine langfristige Versorgungssicherheit und können im Laufe der Zeit die Kosten senken. In Verbindung mit nachhaltigkeitsorientierter Finanzierung und robusten Datenrahmen wird dies für Unternehmen zu einem wirksamen Weg, um im Sinne der Natur zu handeln und gleichzeitig die Unternehmensleistung zu verbessern.

Blick nach vorn

Natur und Wirtschaft sind untrennbar miteinander verbunden, insbesondere in der Beauty-Branche. Die Unternehmen, die die Gesundheit des Ökosystems als zentrale Kennzahl begreifen und nicht als Zusatz, werden am besten positioniert sein, um Schwankungen zu überstehen, Vertrauen zu gewinnen und Investitionen anzuziehen.

Da die Branche mit strengeren Vorschriften, steigenden Kosten und Lieferunsicherheiten konfrontiert ist, wird ihr Erfolg zunehmend davon abhängen, wie gut sie ihre Beziehung zur Natur gestaltet. Bei der Einbeziehung von Naturaspekten in Strategie, Beschaffung und Produktdesign geht es nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern auch darum, die künftige Stabilität der Schönheitsindustrie selbst zu gewährleisten.

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Author(s):

  • Cosmetics + Personal Care & Pharma Lead, Germany

    Natalia Trunova